Monatsspruch April: Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast,
darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Joh 20,29
Liebe*r Leser*in,
gerade, als ich zu dem Wochenspruch etwas schreiben will, kommt ein Wunder vorbeigeflogen: Eine Hummel. Ihr Flug sieht so gemütlich aus und dazu noch das Brummen – der Frühling ist wunderbar. Tatsächlich hat vor 100 Jahren ein Mathematiker festgestellt, dass Hummeln nach den Gesetzen der Aerodynamik nicht fliegen können. Studierende haben später schmunzelnd hinzugefügt: „Da die Hummel die Gesetze der Aerodynamik nicht kennt, fliegt sie dennoch.“ Längst ist wissenschaftlich erklärt, nach welchen aerodynamischen Gesetzen Hummeln und andere Insekten fliegen. Aber es bleibt ein schönes Beispiel dafür, dass wir nicht alles, was uns im Leben begegnet, erklären können und restlos verstehen.
Der Monatsspruch stammt aus der Geschichte vom sogenannten „ungläubigen Thomas“. Der auferstandene Christus hatte sich nach Ostern den Zwölfen, seinen Schüler*innen, gezeigt. Nur Thomas war nicht dabei und glaubte es den anderen später nicht, bis Jesus vor ihm – erzählt die Geschichte. Ich finde, ihm wird mit dem Titel „Ungläubiger“ Unrecht getan. Die anderen glaubten ja auch nicht, bis sie dem Auferstandenen begegnet waren. Sehen und glauben im Gegensatz zu nicht sehen und doch glauben? Ich denke, das ist kein Gegensatz, sondern zwei Seiten einer Medaille, die Glauben heißt. Ich vertraue Gott, ohne Gott zu sehen. Genau genommen, werde ich Gott nie sehen. Doch mein Vertrauen in Gott kann nur wachsen, wenn ich auch ab und zu erfahre, dass Gott da ist, wenn also mein Vertrauen auch in irgendeiner Weise bestätigt wird. Gott lässt sich nicht mit den Augen, aber zumindest mit dem Herzen sehen. Wie bei der Frage, was zuerst da war, Ei oder Henne, ist die Frage: Vertraue ich zuerst und spüre dann Gott oder muss ich erst Gott erfahren, um Gottes Gegenwart zu glauben und das Vertrauen zu wagen? Es gibt keine klare Antwort darauf. Ich weiß nur, dass Glauben ein Wagnis bleibt.
In unserer Kirche betonen wir, dass die EmK eine Gemeinschaft von Glaubenden und Suchenden ist. Ich ermuntere alle, sich auf diese Suche zu machen. Und als glaubender Mensch stelle ich fest, dass ich selbst immer wieder ein Suchender im Glauben bin. Dieser Thomas ist mir also sehr sympathisch! Das Rätsel der Hummel wurde irgendwann gelöst. Doch mir stellen sich immer wieder neue Rätsel auf meinem Lebensweg. Den Glauben werde ich immer wieder wagen. Trotz offener Fragen hat mich das Vertrauen in Gott sehr reich gemacht.
Ich wünsche Ihnen in den kommenden Wochen Momente der Osterfreude
Ihr Pastor Andreas Fahnert